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Liu Xia

Liu Xia

In Kölns Partnerstadt Peking unter Hausarrest

Liu Xia, am 01. April 1961 in Peking geboren, ist eine der bemerkenswertesten Künstlerinnen Chinas: Fotografin und Malerin, Lyrikerin und Romanautorin. Und sie ist eine Gefangene. Denn 1998 heiratete Liu Xia, die in den vergleichsweise liberalen 1980er Jahren als Künstlerin bekannt wurde, Liu Xiaobo, den späteren Friedensnobelpreisträger. Der Schriftsteller, Systemkritiker, Menschenrechtsaktivist und Verfasser der Charta 08 wurde 2009 zu elf Jahren Haft verurteilt.

Seit dem 08. Oktober 2010, dem Tag der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises für ihren Mann, befindet sich Liu Xia ohne rechtliche Grundlage unter Hausarrest. Wenige Stunden nach der Bekanntgabe beschlagnahmten Polizeibeamte Liu Xias Telefon. Anschließend brachten sie sie in die Provinz Liaoning, wo sie Liu Xiaobo im Gefängnis besuchen konnte. Nach dem Besuch berichtete Liu Xia über Twitter, dass ihr Mann bei ihrem Besuch in Tränen ausgebrochen sei und den Nobelpreis allen Menschen gewidmet habe, die ihr Leben für den friedlichen Kampf für Menschenrechte, Demokratie und Freiheit geopfert haben.

Sicherheitsbeamte brachten Liu Xia am selben Tag nach Peking zurück. Seither ist sie eine Gefangene in ihrer eigenen Wohnung. Sie darf die Wohnung nicht verlassen und wird rund um die Uhr überwacht. Nur zweimal ist es FreundInnen und JournalistInnen gelungen, zu ihr vorzudringen. Seit Februar 2014 ist es Liu Xia immerhin gestattet, über Telefon mit FreundInnen zu sprechen. Auch kann sie Essen einkaufen und Familienangehörige besuchen. Allerdings wird sie beim Verlassen der Wohnung von mehreren Personen begleitet und überwacht. Liu Xiaobo kann sie einmal im Monat sehen, jedoch werden auch diese Treffen streng überwacht. Sippenhaft ist in China zwar gesetzeswidrig, aber gängige Praxis der Behörden, wenn sie Angehörige von inhaftierten BürgerrechtlerInnen und kritischen Geistern einschüchtern oder mundtot machen wollen.

Liu Xia erlitt im Januar 2014 kurz vor dem chinesischen Neujahrsfest einen Herzinfarkt und wurde zur Notfallbehandlung in das Shijingshan Krankenhaus in Peking eingeliefert. Der behandelnde Arzt riet zu einem zweiwöchigen Krankenhausaufenthalt zur weiteren Behandlung und Untersuchung, doch man schickte sie zurück nach Hause. Als sie am 8. Februar unter polizeilicher Begleitung erneut in das Krankenhaus kam, wurde ein Herzleiden bei ihr diagnostiziert, welches nach Angaben der behandelnden ÄrztInnen weiter behandelt werden müsste. Obwohl Liu Xias Familie alle notwendigen Formulare ausfüllte und die Krankenhausgebühren zahlte, weigerte sich das Krankenhaus, sie aufzunehmen, und schickte sie erneut nach Hause.

Ihr Gesundheitszustand hat sich inzwischen verbessert, da sie die Erlaubnis erhalten hat, sich untersuchen und medizinisch behandeln zu lassen. Im Rahmen dieser Untersuchungen wurde allerdings festgestellt, dass sie an seelischem Stress, Angstzuständen und Depressionen leidet. Die MedizinerInnen befürchten, dass sich der Zustand von Liu Xia weiter verschlechtern könnte, wenn sich ihre gegenwärtigen Lebensumstände nicht bald ändern.

Einen Eindruck ihrer Situation bekommt man in dem kurzen Film, den zwei ihrer Freunde im Dezember 2012 gedreht haben.