Menschenrechtssituation in China

Recht auf freie Meinungsäußerung


Amnesty International verlangt vom China ein Ende der Zensur.
Dies verlangte die Generalsekretärin der deutschen Amnesty-Sektion, Monika Lüke, am 12.10.2009 kurz für die Eröffnung der Frankfurter Buchmesse, wo China Gastland war.
"In China gebe es immer noch vielfältige Menschenrechtsverletzungen. Beispiele sind Veröffentlichungs- und Reiseverbote für Schriftsteller, die Behinderung von journalistischer Arbeit sowie die Internet-Zensur. Es gibt in China eine Zensurbehörde mit 30 000 Leuten, die Tag und Nacht das Internet kontrollieren. All diese Einschränkungen müssten abgeschafft werden.
Es darf keine Zensur mehr geben."

Auf diese Seite haben wir die aktuelle Entwicklung in 2011, 2010, 2009 und 2008 protokolliert.


Situation in 2011
Anfang Januar wurde bekannt, dass Zhao Lianhai Ende Dezember 2011 freigelassen wurde.
Zhao Lianhai ist nach Auskunft seiner ehemaligen Rechtsanwälten am 28. Dezember 2010 aus medizinischen Gründen vorläufig aus der Haft entlassen worden Er hatte sich für betroffene Familien eines Skandals um verseuchtes Milchpulver in Babynahrung eingesetzt und war daraufhin am 13. November 2009 in seiner Wohnung in Beijing festgenommen worden.

Das scharfe Vorgehen der chinesischen Regierung gegen Protestierende in Februar zeigt, wie beunruhigt die Behörden über die Ereignisse in der Arabischen Welt sind. Amnesty International fordert die Verantwortlichen dazu auf, die Festnahmen und Schikanen an mehr als hundert Aktivisten zu stoppen. Die Repression stellt offenbar einen Versuch dar, die von den Protesten in der Arabischen Welt inspirierten regierungskritischen Demonstrationen abzublocken.
In einem scheinbaren Versuch, Demonstrationen nach dem Vorbild der "Jasminrevolution" zu verhindern, haben chinesische Polizeikräfte seit dem 19. Februar über 100 Aktivisten festgenommen oder unter Überwachung gestellt. Fünf inhaftierte Aktivisten sind laut Amnesty International von Folter oder anderen Misshandlungen bedroht.
Ding Mao, Ran Yunfei und Chen Wei wurden zwischen dem 25. und dem 28. März unter dem Vorwurf der "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" verhaftet. Ihnen drohen laut Amnesty International nun lange Haftstrafen. Hua Chunhui wurde zu 18 Monaten "Umerziehung durch Arbeit" verurteilt. Li (Liang) Haiyi bleibt weiterhin ohne Anklage inhaftiert. Sie sind alle von Folter und anderen Misshandlungen bedroht.

Die Festnahme von Chinas bekanntestem Künstler und Regimekritiker Ai Weiwei am 3. ist laut Amnesty International eine besorgniserregende Entwicklung. In den ersten Monaten von 2011 ist die chinesische Regierung zunehmend gegen Kritiker vorgegangen und hat bereits Dutzende Aktivisten festgenommen.
Ai Weiwei, sein Freund und Assistent Wen Tao, sein Cousin und Fahrer Zhang Jingsong, seine Buchhalterin Hu Mingfen und der Designer Liu Zhenggang sind in China ohne Kontakt zur Außenwelt an einem unbekannten Ort inhaftiert. Ihnen drohen laut Amnesty International Folter und andere Misshandlungen.

Amnesty International warnte am 27. Mai die Chinese Behörden ein heftiges Durchgreifen gegen die Demonstrationen in der Innermongolei Provinz zu vermeiden, weil Kriegsrecht in bestimmte Landesteile verhängt wurde am fünften Tag von Protesten dort.

Ai Weiwei ist laut einer Meldung der amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua am 22 Juni örtliche Zeit überraschend freigelassen worden. Allerdings erfolgte die Freilassung auf Bewährung, nachdem er seine Schuld gestanden haben soll. Es ist noch nicht klar, ob er wirklich frei ist oder vielleicht vorerst unter Hausarrest steht.
Mitarbeitern von Ai Weiwei, die gemeinsam mit dem chinesischen Künstler dem Verschwindlassen zum Opfer gefallen waren, sind nach Medienberichten vom 25. Juni ebenfalls nicht mehr in Haft.

Mitte Juli ist der derzeitige Aufenthaltsort des Designers Liu Zhenggang, Mitarbeiter von Ai Weiwei, jedoch nach wie vor nicht bekannt.

Erst in September wurde bekannt, dass der Designer Liu Zhenggang freigelassen worden ist. Er wurde bereits am 24. Juni aus medizinischen Gründen aus der Haft entlassen. Er befindet sich zuhause in Peking unter Überwachung.
Von die in Februar festgenommen Protestierende, wurde Ran Yunfei unter "Hausarrest" gestellt. Hua Chunhui konnte aus medizinischen Gründen nach Hause zurückkehren. Ding Mao, Chen Wei und Liang Haiyi befinden sich weiter in Haft und warten auf ihr Gerichtsverfahren. Ihnen drohen, laut Amnesty International weiter Folter und anderen Misshandlungen.

Der Aktivist Chen Wei wurde am 23. Dezember 2011 wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" zu neun Jahren Haft verurteilt. Er war im Februar 2011 in einem Versuch der chinesischen Behörden, Demonstrationen nach dem Vorbild der "Jasminrevolution" zu verhindern, festgenommen worden. Ding Mao steht seit dem 1. Dezember 2011 unter Hausarrest. Liang Haiyi ist weiterhin ohne Kontakt zur Außenwelt in Haft.

Situation in 2010
Anfang Februar wurde die Akte gegen der Vater eines am ergiftetes Milchpulver erkrankten Kindes von der Polizei an der Staatsanwaltschaft übergeben.
Der Aktivist Tan Zuoren, der untersuchte, warum Schulen während des Erdbebens in Sichuan sofort einstürzten, muss darum nun fünf Jahre ins Gefängnis. Amnesty International forderte China auf Tan freizulassen.

Am 1. März hat China den Schriftsteller Liao Yiwu daran gehindert, zur Teilnahme an der lit.Cologne nach Deutschland zu reisen.

Am 27. Mai publizierte Amnesty International sein Jahresbericht über 2009.

Die Europäische Union hat von China die sofortige Freilassung des regierungskritischen Umweltschützers Tan Zuoren gefordert, nachdem ein chinesisches Gericht am Mittwoch 09. Juni Tans Verurteilung bestätigt hatte.

China hat den bekannten Poeten und Schriftsteller Liao Yiwu am 15. September erstmals ins Ausland reisen lassen. „Es ist ein superfantastisches Gefühl, nach 15 Jahren hier zu sitzen in Berlin“, sagt er ein Tag später.

Der chinesische Künstler und Aktivist Ai Weiwei ist in Peking nach eigenen Angaben am 5. November unter Hausarrest gestellt worden. Die Polizei habe ihn aufgefordert, sein Haus am Wochenende nicht zu verlassen, sagte er am Telefon.
Darauf hat der chinesische Dissident, Aktionist und Konzeptkünstler Ai Weiwei zwei Tage später die Führung seiner Heimat scharf attackiert.

Der AMNESTY REPORT 2011 gibt folgende Zusammenfassung über das Jahr 2010:
Die Behörden hinderten Personen daran, politisch brisante Themen öffentlich anzusprechen oder darüber zu berichten, indem sie Anschuldigungen der Preisgabe von "Staatsgeheimnissen", des Separatismus (Nationalismus ethnischer Minderheiten), der Verleumdung oder des Straftatbestands "Subversion" gegen sie erhoben. Vage formulierte Bestimmungen dienten dazu, die Veröffentlichung politisch brisanten Materials zu kontrollieren oder zu unterbinden. Dazu gehörten Verweise auf die Demonstrationen auf dem Platz des Himmlischen Friedens von 1989 und Themen wie Menschenrechte, Demokratie, Falun Gong sowie die Anliegen von Tibetern und Uiguren. Die staatliche Zensur stützte sich in großem Maße auf "Zurückhaltung im Vorfeld", eine Form der Selbstzensur, und die Internet-Firewall, mit der unliebsame Inhalte von den Behörden gesperrt oder gefiltert wurden.
Die Änderung des Gesetzes über Staatsgeheimnisse, die im Oktober 2010 in Kraft trat, sieht eine neue Bestimmung vor, wonach Internet- und andere Telekommunikationsunternehmen gemäß Artikel 28 zur Zusammenarbeit bei Ermittlungen in Fällen der Offenlegung von Staatsgeheimnissen verpflichtet sind. Andernfalls droht diesen Firmen ein Strafverfahren. Die Behörden übten wie bisher eine strenge Kontrolle über die Nachrichtenberichterstattung im Internet aus und erteilten entsprechende Lizenzen lediglich an große Internetseiten, die staatliche Unterstützung genossen. Viele Portale von sozialen Medien blieben gesperrt, darunter Facebook, Twitter, YouTube und Flickr.


Situation in 2009
Immer wieder gab es Bespiele, dass es in China kein Recht auf freie Meinungsäußerung gibt.
So wurde in Dezember 2009 gegen der Vater eines am ergiftetes Milchpulver erkrankten Kindes Haftbefehl erlassen, weil er anderen Betroffenen mit einer Website helfen wollten.
Die neue Regelung über Gerichtsberichterstattung hat neben Verbesserungen auch Elemente die das Recht auf Meinungsäußerung potentiell eingrenzen.
Anfang 2010 meldete der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ), dass die Pressezensur in China im 2009 verschärft worden ist.
Der oberste Zensor in China ist das Presse- und Verlagsamt (GAPP).

Am 27. Mai 2010 publizierte Amnesty International sein Jahresbericht über 2009.


Situation in 2008
Die Ausübung des Rechts auf freie Meinungsäußerung war in 2008 weiterhin einer rigiden Kontrolle durch die Regierung unterworfen. So waren Internetnutzer und Journalisten in Gefahr, schikaniert oder zu Gefängnisstrafen verurteilt zu werden, wenn sie sich mit politisch brisanten Themen beschäftigten. Etwa 30 Journalisten und 50 weitere Personen waren nach wie vor in Haft, weil sie ihre Meinungen im Internet verbreitet hatten.

Zwei Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele richteten die Behörden "Protestzonen" in drei Pekinger Parks ein, wo Personen demonstrieren durften. Soweit bekannt, erhielt jedoch niemand die behördliche Genehmigung zu einer politischen Kundgebung, so dass diese Zonen verwaist blieben. Die Sicherheitskräfte beschatteten zahlreiche Personen oder nahmen sie im Zusammenhang mit ihrem Antrag, eine Protestkundgebung abhalten zu dürfen, fest. Wenige Tage vor den Olympischen Spielen hoben die Behörden die Sperrung einer Reihe von Internetseiten auf, zahlreiche weitere waren aber nach wie vor nicht zugänglich. Im Oktober kündigte die Regierung an, dass die im Januar 2007 in Kraft getretenen Lockerungen vor und während der Olympischen Spiele für ausländische Journalisten ohne zeitliche Beschränkung verlängert würden.

Zahlreiche Unterzeichner der 'Charta 08', eines Forderungskatalogs mit dem Ziel grundlegender rechtlicher und politischer Reformen in China, wurden von den Behörden verhört und drangsaliert.
Der bekannte Regierungskritiker Liu Xiaobo, einer der Unterzeichner der "Charta 08", war Ende 2008 noch immer in Haft.

Zahlreichen politisch engagierten Personen, tibetischen buddhistischen Mönchen und Falun-Gong-Anhängern verwehrte man im Mai 2008 vor der Etappe des olympischen Fackellaufs in Hongkong sowie im Vorfeld und während der Olympischen Spiele die Einreise nach Hongkong. Bestimmungen der Behörden in Bezug auf Protestkundgebungen an der Wettkampfstätte der olympischen Reiterspiele schränkten das Recht auf freie Meinungsäußerung und Versammlungsfreiheit dort ein.




Das Presse- und Verlagsamt (GAPP)
In einem mächtigen Neubau, dessen Architektur an eine Mischung aus gläsernem Bankhochhaus und Staatsanwaltschaft erinnert, mit hohem Fahnenmast und roter Staatsflagge, sitzt das Presse- und Verlagsamt (GAPP). Es ist eine jener Pekinger ­Behörden, die darüber wachen, dass Verbote und Tabus eingehalten werden. GAPP vergibt Buchlizenzen und ist zugleich oberster Zensor. Das heißt: Seine Funktionäre verbieten unerwünschte Titel entweder direkt, oder sie sorgen mit Andeutungen, Warnungen und Drohungen dafür, dass Verlage politisch anstößige Themen nicht in ihr Programm aufnehmen.
Zu den einflussreichen Männern der GAPP gehört Wu Shulin, ein Kader mit adrettem Borstenschnitt und randloser Brille. Er hat den Rang eines Vizeministers. Wu ist mitverantwortlich für den offiziellen Auftritt Chinas bei der Frankfurter Buchmesse im Oktober - zusammen mit Vertretern von einem knappen Dutzend weiteren Ministerien und Ämtern, darunter die Kontrollbehörde für Funk und Fernsehen (SARFT).

Die Abteilung innerhalb der GAPP, die entscheidet, welche Bücher genehm sind und welche nicht, nennt sich "Büro für Publikationsmanagement". Dort arbeiten nach Angaben von Wu nicht viel mehr als ein Dutzend Mitarbeiter. Diese vertrauen vor allem auf die Wirksamkeit der Selbstzensur. Im Gespräch mit ­einer Gruppe ausländischer Journalisten, die sich im Juni über die Vorbereitungen Chinas auf die Frankfurter Buchmesse informierten, formulierte es Wu so: Die Verlagshäuser müssten selbst entscheiden, ob ein Titel erscheinen dürfe. "Wenn die Herausgeber unsicher sind, ob der Inhalt rechtswidrig sein könnte, holen sie sich bei uns den Rat von Experten".
Zu beanstanden sind nach Ansicht der Zensoren von den jährlich 150.000 Neuerscheinungen "weniger als sechshundert". In der Regel gehe es dabei um "üble Kulte und Inhalte, die zur Untergrabung der nationalen Einheit Chinas führen oder zum Krieg aufhetzen", sagt Wu. Die vage Formulierung ist kein Zufall. Sie erlaubt es den Kulturwächtern, nach Gutdünken einzugreifen. "Übler Kult" steht für die seit 1999 verbotene Falun Gong-Bewegung. Hinter dem Stichwort "Untergrabung der nationalen Einheit" verbergen sich vielfältige Themen: der Ruf nach demokratischen Reformen und die Frage nach den Hintergründen des Tiananmen-Massakers, ebenso das Streben nach Unabhängigkeit in Taiwan, die Geschäfte und das Privatleben hoher chinesischer KP-Führer oder die Nationalitätenkonflikte in Tibet und Xinjiang.

Im Klartext: Die Grauzone ist gewaltig, die rote Linie der Verbote oft nur zu erahnen. Zuweilen lassen die GAPP-Kontrolleure heikle Sujets passieren und werden erst aktiv, wenn Bücher sich gut verkaufen oder eine lebhafte Diskussion im Internet auslösen. Das Risiko der Verlage, die Grenzen des Erlaubten zu überschreiten, ist groß: Sie müssen damit rechnen, dass ihre bereits gedruckten und ausgelieferten Exemplare nachträglich eingestampft werden. Eine Entschädigung bekommen sie nicht.
(Quelle: Amnesty Journal: Oktober 2009: IN DER GRAUZONE)



Details 2009


Chinesische Behörden verhaften Vater im Milchpulverskandal
In dem Skandal um vergiftetes Milchpulver ist ein Haftbefehl gegen den Vater eines erkrankten Kindes erlassen worden. Er hatte anderen Betroffenen mit einer Website helfen wollen. Der Sohn von Zhao Lianhai aus Peking gehörte zu den mehr als 300 000 Kindern, die 2008 an gepanschter Milch erkrankt waren, welche die Industriechemikalie Melamin enthalten hatte. Mindestens sechs Säuglinge sind nach offiziellen Angaben an der vergifteten Milch gestorben.
Mit seiner Website "Nierensteinbabys" (Jieshi Baobao) hatte Zhao versucht, die Familien der Opfer über das Internet zu organisieren, um deren Forderung nach einer Entschädigung Nachdruck zu verleihen.

2008 erkrankten und starben in China zahlreiche Kinder an Milchprodukten, die durch die Chemikalie Melamin verseucht worden waren. Die Eltern dieser Kinder treten seither für Gerechtigkeit ein. Zhao Lianhais Sohn ist eines der von der Verseuchung betroffenen Kinder und Zhao Lianhai spielt eine führende Rolle bei der Selbstorganisation der betroffenen Eltern. Er gründete eine Selbsthilfegruppe, organisierte eine Kampagne, die regelmäßige Gesundheitsuntersuchungen der Betroffenen fordert, und rief eine Website mit dem Namen "Babys mit Nierensteinen" ins Leben (www.jieshibaobao.com). Zhao Lianhai hat darüber hinaus durch die Sammlung und Aufbereitung einzelner Fälle andere betroffene Eltern darin unterstützt, Klage gegen die Firmen anzustreben, die die verseuchten Milchprodukte produzierten.

Am 13. November drangen zwölf PolizistInnen in Zhao Lianhais Zuhause ein und brachten ihn auf die Polizeiwache des Bezirks Daxing. Damals legte die Polizei ihm einen Haftbefehl vor, in dem jedoch kein Grund für seine Festnahme angegeben war. Die Polizeikräfte durchsuchten auch seine Wohnung und beschlagnahmten zwei Computer, USB-Sticks, einige DVDs, Kampagnen-T-Shirts, eine Kamera, einen Videorecorder und ein Adressbuch.

Am darauffolgenden Tag übergab die Polizei der Frau von Zhao Lianhai eine Benachrichtigung über die Haft, in der steht, dass ihr Mann inhaftiert wurde, da er unter Verdacht steht "einen Vorfall provoziert" zu haben.

Der Haftbefehl wurde am 17. Dezember erlassen worden, berichtete die Menschenrechtsorganisation Chinese Human Rights Defenders. Zhao Lianhai befindet sich seitdem in Erwartung eines Gerichtsverfahrens gegen ihn in Peking in Untersuchungshaft. Ihm drohen Folter und andere Misshandlungen.

Am 2. Februar - nach fast drei Monaten Haftzeit - war es Zhao Lianhai erstmals möglich, mit seinem Anwalt zu sprechen. Seinem Anwalt zufolge ist Zhao Lianhai von sechs verschiedenen Sicherheitsbeamten intensiv verhört worden, manchmal sogar mitten in der Nacht.
Am 2. Februar erhielt sein Anwalt das Dokument, das die Polizei der Staatsanwaltschaft übergeben hatte. Darin heißt es, dass Zhao Lianhai wegen "Provozierens eines Vorfalls" (Artikel 293 des chinesischen Strafgesetzbuches) beschuldigt wird. Er soll das Aufsehen um die verdorbene Milch dazu genutzt haben, Menschen zu Protesten vor öffentlichen Gebäuden zu bewegen, und damit eine "Störung der öffentlichen Ordnung" verursacht haben. Vor dem mittleren Volksgericht der Stadt Shijiazhuang in der Provinz Hebei und vor Gerichten in den Pekinger Stadtbezirken Daxing und Fengtai hatten Proteste stattgefunden. In der Akte wird er weiter bezichtigt, die Vergewaltigung der unter Hausarrest gestandenen Klägerin Li Ruirui durch einen Sicherheitsbeamten ausgenutzt zu haben, um viele Menschen vor der Pekinger Behörde für öffentliche Sicherheit zu versammeln. Unter dem Vorwand ein Vergewaltigungsverbrechen anzuklagen, habe er Unruhe gestiftet.

Sein Anwalt gab an, dass der Fall derzeit zur Untersuchung dem Staatsanwalt vorliege. Wenn dieser den Fall zuließe, würde Zhao Lianhai ein Gerichtsverfahren bevorstehen. Er wird im Polizeihaftzentrum von Daxing festgehalten. Er hat seit seiner Festnahme keinen Kontakt zu seiner Familie aufnehmen dürfen.

Inzwischen sind 21 Menschen für den zunächst vertuschten Skandal verurteilt worden, bei zwei von ihnen wurde im November das Todesurteil vollstreckt.
Quelle/Copyright Datum Titel
Welt Online 23.12.2009 Chinesische Behörden verhaften Vater im Milchpulverskandal
Amnesty International 04.02.2010 Urgent Action: Prozess gegen Menschenrechtler


Neue Regelung über Gerichtsberichterstattung
Medien sollten ihr Recht auf die Berichterstattung von Gerichtsverhandlungen in Anspruch nehmen dürfen, doch die bösartige oder absichtlich falsche Berichterstattung eines Falles werde gesetzliche Konsequenzen haben, teilte der Oberste Gerichtshof in China am 23.12.2009 mit.

Das Oberste Gericht schlug vor, dass kleinere Gerichte offener gegenüber der Kritik der Presse sein sollten. Die Presse wiederum sollte bei der Gerichtsberichterstattung verantwortungsbewusster und selbstdisziplinierter sein, hieß es im Dokument "Regelungen über die Genehmigung der Medienberichterstattung durch das Volksgericht".
Das Dokument fordert von Gerichten unterschiedlicher Instanz, dass sie sich den Fragen der Journalisten gegenüber offen zeigen und regelmäßig mit ihnen kommunizieren.

Das Oberste Gericht legte außerdem Regelungen für Journalisten fest und nannte fünf Situationen, in denen Journalisten ethisch kritisiert oder angeklagt werden können. Dazu gehören die Gefährdung der nationalen Sicherheit, die Unterwanderung der gesetzlichen Autorität und die Sinnverzerrung von Fakten.
Neutralität und Objektivität seien bei der Gerichtsberichterstattung am Wichtigsten, hieß es in dem Dokument.
Das Oberste Gericht sagte, dass die neuen Regelungen einige Journalisten davon abhalten könnten, Fakten zu verdrehen oder zu verfälschen.
Quelle/Copyright Datum Titel
China Internet Information Center 25.12.2009 Regelung über Gerichtsberichterstattung verabschiedet


China verschärft Pressezensur in 2009
Die Pressezensur in China ist nach Angaben der Internationalen Journalisten-Föderation (IFJ) im 2009 verschärft worden. Im 2009 sind zahlreiche Anordnungen der Regierung in die chinesischen Redaktionen geflattert.
Die Organisation listete 62 Anordnungen auf, die zwischen Januar und November 2009 an Redaktionen von Zeitungen und elektronischen Medien in China ergingen. Unter anderem wurde verboten, über den 20. Jahrestag des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens oder über die Unruhen in der westchinesischen Provinz Xinjiang zu berichten.
Quelle/Copyright Datum Titel
20minuten 01.02.2010 China verschärft Pressezensur


Tan Zuoren zu 5 Jahre Haft verurteilt
Tan solle freigelassen werden, forderte Amnesty International

Der chinesische Aktivist Tan Zuoren, muss für fünf Jahre ins Gefängnis, weil er den Tod von tausenden Schulkindern während des Erdbebens in Sichuan untersucht hatte. Das Gericht in der Provinzhauptstadt Chengdu verurteilte den 55-Jährigen am 09. Februar 2010 wegen des Vorwurfs der "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" und "Subversion", teilte sein Anwalt mit. Das Urteil rief empörte Reaktionen bei anderen Bürgerrechtlern wie dem Künstler Ai Weiwei hervor.

Nach dem verheerenden Erdbeben mit 87.000 Toten im Mai 2008 in Südwestchina hatte Tan Zuoren monatelang im Erdbebengebiet recherchiert, warum so viele Schulen eingestürzt waren während benachbarte Gebäude den Erdstößen standgehalten hatten. Auch ausländische Experten hatten sofort nach dem Beben eklatante Baumängel in den sogenannten "Tofu"-Schulen festgestellt. Wie weicher Sojabohnenkäse hatten sie nachgegeben und waren eingestürzt.

Gegen den Widerstand lokaler Behörden wollte Tan Zuoren die Wahrheit an den Tag bringen, wurde aber im März 2009 festgenommen. Tan Zuoren kooperierte auch mit dem international renommierten Künstler Ai Weiwei, der mit einer Gruppe von Freiwilligen die Namen von mehr als 5000 getöteten Schulkindern dokumentiert hat. Scharf kritisierte Ai Weiwei das Urteil: "Dieser Fall zeigt, dass das Regime die Verfolgung der Meinungsfreiheit verschärft."

Was Tan Zuoren gesagt habe, sei durch das Recht auf Meinungsfreiheit gedeckt, sagte Ai Weiwei. "Dieser Fall enthüllt, dass Diktatur und Autokratie unter den Bedingungen der Führung der Kommunistischen Partei eine tödliche Krankheit sind." Auch wenn sich China wirtschaftlich entwickle, sei es in Sachen Menschenrechte und Redefreiheit noch rückständig.

Die Vorwürfe bezögen sich nicht auf seine Ermittlungen im Erdbebengebiet, sondern allein auf Artikel, die der Bürgerrechtler über die blutige Niederschlagung der Demokratiebewegung 1989 veröffentlicht habe, berichtete der Anwalt.
Tan Zuoren hatte dazu aufgerufen, mit Blutspenden an den Jahrestag des Massakers vom 4. Juni 1989 zu erinnern.

Bürgerrechtler sahen den wahren Grund für die Verurteilung Tan Zuorens in seinen Enthüllungen über billig gebaute Schulgebäude, die bei dem Erdbeben im Mai 2008 wegen Baumängeln eingestürzt waren. Benachbarte Gebäude hatten den Erdstößen standgehalten.

Tan Zuoren durfte am Ende des Prozesses seine vorbereitete Erklärung nicht verlesen. Die Richter verurteilten ihn zu fünf Jahren Haft - und zum Schweigen. Dabei hätte der Bürgerrechtler dem System noch einiges zu sagen gehabt. Wie der Bürgerrechtsanwalt Teng Biao am Dienstag [09.02.2010] berichtete, wollte Tan seinen Richtern unter anderem sagen: "Wenn ich den Missbrauch hinter der öffentlichen Macht sehe und die sozialen Gefahren durch falsche Entscheidungen und Sonderinteressen, habe ich keinen Grund zu schweigen, und ich werde nicht weglaufen."
In der vorbereiteten Erklärung hieß es weiter: "Wenn es Fehler gibt, gibt es auch Kritiker. Wenn es keine Kritiker gibt, gibt es keine Zivilgesellschaft."

Offiziell verurteilte das Gericht Tan wegen der Veröffentlichung von zehn Artikeln im Internet, in denen er die brutale Niederschlagung der Studentenproteste 1989 kritisierte. Sein Anwalt Pu Zhiqiang sagte der Nachrichtenagentur AFP, in der Urteilsbegründung sei nur von den Protesten am Tiananmen-Platz im Juni 1989 die Rede gewesen. "Es gab keine Vorwürfe im Zusammenhang mit dem Erdbeben."
Der Anwalt und auch die Menschenrechtsorganisation Amnesty International gehen aber davon aus, dass Tans Nachforschungen zu den Erdbebenopfern der wahre Grund für seine Haftstrafe sind. Das Urteil sei ungerecht, Tan solle freigelassen werden, forderte Amnesty.

Die Europäische Union hat von China die sofortige Freilassung des regierungskritischen Umweltschützers Tan Zuoren gefordert. Die chinesische Regierung solle Tan "ohne Bedingungen" freilassen, erklärte EU-Außenministerin Catherine Ashton. Die Verurteilung des 56-Jährigen zu fünf Jahren Haft sei "entschieden gegen das Recht auf freie Meinungsäußerung" und widerspreche "internationalen Normen". Ashton bemängelte überdies Unregelmäßigkeiten bei dem Verfahren gegen Tan; er habe sich nicht angemessen verteidigen können.
Ein chinesisches Gericht hatte am 09. Juni Tans Verurteilung bestätigt.
Quelle/Copyright Datum Titel
ZEIT ONLINE / dpa 09.02.2010 Fünf Jahre Haft für chinesischen Bürgerrechtler
Spiegel Online 09.02.2010 Chinesischer Aktivist
Richter verbieten kritische Schlussworte
AFP 11.06.2010 EU fordert China zu Freilassung von Umweltaktivisten Tan auf


Schriftsteller Liao Yiwu darf nicht zur lit.Cologne nach Deutschland reisen
Der 51-Jährige regimekritischen Schriftsteller Liao Yiwu ist am 01. März am Flughafen der südwestchinesischen Stadt Chengdu festgenommen und anschließend unter Hausarrest gestellt worden. Er wollte nach Peking fliegen und von dort nach Deutschland weiterreisen.
„Ich saß bereits im Flugzeug, als die Stewardess mir sagte, dass ich die Maschine wieder verlassen müsse“, sagte Liao. „Ein Flughafenpolizist nahm mich mit auf die Polizeistation, wo ich von vier Beamten verhört wurde.“ Nach drei Stunden wurde Liao nach Hause geschickt, vor seinem Gebäude Polizisten stationiert.

„Sie haben mir gesagt, dass ich die Wohnung nicht ohne Genehmigung verlassen darf“, erklärte Liao. „Dabei haben sich die deutsche Regierung und die deutsche Botschaft gegenüber den chinesischen Behörden sehr für mich eingesetzt.“ Der Autor hatte im Februar Kanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief um Hilfe gebeten. Die Bundesregierung hatte sich daraufhin auf ranghoher Ebene um eine Reisegenehmigung für Liao bemüht, sowohl bei der chinesischen Botschaft in Berlin als auch direkt bei den Behörden in Peking. Der 51-Jährige regimekritischen Schriftsteller Liao Yiwu ist am Montag [01.03.2010] am Flughafen der südwestchinesischen Stadt Chengdu festgenommen und anschließend unter Hausarrest gestellt worden. Er wollte nach Peking fliegen und von dort am Freitag [05.03.2010] nach Deutschland weiterreisen. „Ich saß bereits im Flugzeug, als die Stewardess mir sagte, dass ich die Maschine wieder verlassen müsse“, sagte Liao gegenüber dieser Zeitung. „Ein Flughafenpolizist nahm mich mit auf die Polizeistation, wo ich von vier Beamten verhört wurde.“ Nach drei Stunden wurde Liao nach Hause geschickt, vor seinem Gebäude Polizisten stationiert.

„Sie haben mir gesagt, dass ich die Wohnung nicht ohne Genehmigung verlassen darf“, erklärte Liao. Er habe kaum noch Hoffnung, am 19. März wie geplant in Köln auftreten zu können. „Dabei haben sich die deutsche Regierung und die deutsche Botschaft gegenüber den chinesischen Behörden sehr für mich eingesetzt.“ Der Autor hatte im Februar Kanzlerin Angela Merkel in einem offenen Brief um Hilfe gebeten. Die Bundesregierung hatte sich daraufhin auf ranghoher Ebene um eine Reisegenehmigung für Liao bemüht, sowohl bei der chinesischen Botschaft in Berlin als auch direkt bei den Behörden in Peking. Außenminister Guido Westerwelle kritisierte die chinesische Entscheidung.
„Ich bedauere, dass dem Schriftsteller Liao Yiwu erneut die Reise nach Deutschland verwehrt wurde“, erklärte Westerwelle. „Wir werden uns im offenen Dialog mit China weiter für Meinungsfreiheit und Bürgerrechte einsetzen und setzen darauf, Liao Yiwu bald in Deutschland begrüßen zu können.“

Es ist bereits das neunte Mal, dass Chinas Behörden Liao die Ausreise verweigern. Im letzten Jahr war er bereits daran gehindert worden, an der Frankfurter Buchmesse teilzunehmen, wo China Ehrengast war. Liao steht in der Volksrepublik auf der sogenannten „schwarzen Dissidentenliste“, weil er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Studentenproteste auf Pekings Platz des Himmlischen Friedens ein Gedicht mit dem Titel „Massaker “ veröffentlicht hatte.
Für die wütenden und verletzten Zeilen, die in Studentenkreisen schnell Kultstatus erlangten, wurde mit vier Jahren Haft bestraft und im Gefängnis wiederholt gefoltert.
Sein neues Werk, in dem er Interviews mit dem "Bodensatz der Gesellschaft", mit Menschenhändlern, Prostituierten oder Totengräbern führte, darf in China nicht publiziert werden.
Quelle/Copyright Datum Titel
Kölner Stadt-Anzeiger 01.03.2010 Autor darf nicht zur lit.Cologne
WELT ONLINE 14.03.2010 PEN-Präsidentin kämpft für chinesischen Autor


Amnesty Report 2010: China: Recht auf freie Meinungsäußerung
Da das Internet immer mehr dazu genutzt wurde, Nachrichten zu verbreiten und Debatten zu führen, waren die Behörden bestrebt, seine Nutzung zu kontrollieren, indem die Nachrichtenberichterstattung im Internet eingeschränkt sowie Veröffentlichungen und Internetseiten gesperrt wurden. Darunter waren solche, die nach offizieller Sprachregelung "das politische System des Landes verunglimpft", "die Geschichte der Partei verzerrt dargestellt", "Propaganda für Falun Gong und andere bösartige Sekten betrieben" oder zu "Spaltungen zwischen den Volksgruppen angestiftet" haben. Für die Sperrung von Inhalten und die Aufzeichnung der Aktivitäten von Personen im Internet setzte die Regierung neue Filterprogramme wie z. B. Blue Shield ein.

Nach der Veröffentlichung der Charta 08 im Dezember 2008, einem Manifest mit Forderungen nach politischen Reformen und einem besseren Menschenrechtsschutz, wurden deren Unterzeichner verhört und über viele Monate hinweg observiert.
Der prominente Intellektuelle Liu Xiaobo, ein Unterzeichner der Charta 08, den man erstmals im Dezember 2008 in Gewahrsam genommen hatte, wurde am 25. Dezember 2009 wegen "Anstiftung zur Untergrabung der Staatsgewalt" zu elf Jahren Gefängnis verurteilt. Seine Anwälte hatten in dem weniger als drei Stunden währenden Prozess nur 20 Minuten Zeit, Beweise zur Verteidigung ihres Mandanten vorzutragen.
Quelle/Copyright Datum Titel
Amnesty International 27.05.2010 Amnesty Report 2010: China



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Letzte Aktualisierung dieser Seite: 18.01.2012

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