Menschenrechtssituation in China

Gao Zhisheng


Erst verschwunden,

aber

jetzt wieder in Haft!

Geburtsdatum:                    20. April 1964
letzter Wohnort:                   Beijing (Peking)
Aussprache des Namens: Gau Dschö Sheng
                                              („dsch“ wie „j“ in „Jeans“, offenes „ö“ wie in „öffentlich“)

Wieder in Haft seit:             16. Dezember 2011
Letztes Lebenszeichen am:   24. März 2012


Das "Vergehen":

Ein Brief an den US-Kongress, in dem er auf die sich verschlechternde Menschenrechtslage in China aufmerksam machte.

Gao Zhisheng (© Hu Jia)

Am 4. Februar 2009 war der Pekinger Menschenrechtsanwalt Gao Zhisheng von mehr als zehn Sicherheitskräften, in seinem Zuhause in der Provinz Shaanxi festgenommen und seitdem verschwunden. Ende März und Anfang April 2010 tauchte er kurz wieder auf und hatte Gespräche mit Freunde und westlichen Journalisten. Seitdem ist er wieder verschwunden.
Seit dem 14.8.2011 ist die gegen Gao Zhisheng verhängte Gefängnisstrafe (die Ausgesetzt worden war) formell zu Ende. Dennoch ist weiterhin nicht bekannt, wo sich der Anwalt aufhält. Sein Bruder Gao Zhiyi hat eine Vermisstenanzeige aufgegeben. Er ist davon überzeugt, dass die chinesischen Behörden Gao Zhisheng weiterhin festhalten.

Associated Press veröffentlichte am 10. Januar 2011 Teile das Interview die sie in April 2010 mit ihm hatten. Die schlimmste Zeit von Gaos Verschwinden von 2009 bis 2010 begann auf einem Spaziergang am 25. September. Eine Gruppe von, laut Gao Zhisheng, Polizisten in Zivil, kam auf ihn zu und versetzte ihm einen Stoß in den Magen. Dann legten sie ihm Handschellen an, banden ihm den Mund und die Augen zu und brachten ihn in einen oberen Raum des Gebäudes. Dort begann dann eine Woche von Misshandlungen, die ihren Höhepunkt in der 48-stündigen Misshandlung mit Schlägen mit der Pistole und mit anderen Misshandlungen erreichten.

Am 14.08.2011 war die gegen Gao Zhisheng verhängte Gefängnisstrafe (die ausgesetzt worden war) formell zu Ende. Dennoch ist weiterhin nicht bekannt, wo sich der Anwalt aufhält. Er wurde ohne Kontakt zur Außenwelt an einem unbekannten Ort festgehalten.

Am 16.12.2011 meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf ein Gericht in Peking, dass der 47-Jährige wiederholt gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. Darum muss Gao Zhisheng jetzt für mehrere Jahre ins Gefängnis.
Am 10 Januar 2012 bestätigte Amnesty International, das Gao festsitzt in der Shaya Gefängnis in der Präfektur Aksu in Xinjiang.

Wir sind schockiert über diese plötzliche Maßnahme und fordern die sofortige Freilassung von Gao Zhisheng.
Wir fordern von den Behörden dafür Sorge zu tragen, dass Gao Zhisheng anschließend seinen legitimen Aktivitäten als Menschenrechtsverteidiger nachgehen kann, ohne willkürliche Inhaftierung, Folter, Misshandlung oder andere Menschenrechtsverletzungen fürchten zu müssen.

Historie

Gao Zhisheng ist einer der bekanntesten Menschenrechtsanwälte Chinas und unterhielt bis 2005 eine eigene Kanzlei, dann entzogen ihm die Behörden die Anwaltslizenz und stellten die Geschäfte seiner Firma ein. Er vertrat Menschenrechtsverteidigern und Falun Gong-Anhänger und bearbeitete Todesstrafenfälle. Das Justizministerium erklärte ihn 2001 zu "einem der zehn Topanwälte des Landes", da er unentgeltlich gearbeitet hatte.

2005 schrieb Gao Zhisheng mehrere offene Briefe an den Präsidenten Hu Jintao und den Ministerpräsidenten Wen Jiabao, in denen er sie drängte, die Verfolgung von Angehörigen religiöser Gemeinschaften und pro-Demokratie-Aktivisten einzustellen. Im Februar 2006 organisierte er eine Hungerstreikkampagne, um größere Aufmerksamkeit auf die Verfolgung friedlicher Aktivisten in China zu lenken. Man befand ihn aufgrund dieser Aktion im Dezember 2006 der "Anstiftung zur Subversion" schuldig. Ungewöhnlicherweise wurde seine dreijährige Haftstrafe fünf Jahre lang ausgesetzt. Er durfte nach Hause zurückkehren, doch er und seine Familie werden seither überwacht.

Gao Zhisheng berichtete Bekannten später, dass er sehr schlecht behandelt wurde, als er 2006 in Haft war. Er gab an, dass man ihm Handschellen angelegt hatte und ihn über vier Tage lang auf einem Eisenstuhl oder im Schneidersitz sitzen ließ und dass man helles Licht auf seine Augen richtete.

Gao soll, laut mehreren Quellen, christlichen Glaubens sein.

Gao Zhisheng wurde am 22. September 2007 erneut aus seinem Haus geholt und verhaftet, nachdem er einen Brief an den US-Kongress veröffentlicht hatte, in dem er auf die sich verschlechternde Menschenrechtslage in China aufmerksam machte. Daraufhin hielt man ihn sechs Wochen lang ohne Kontakt zur Außenwelt fest. Er sagte später aus, dass eine Gruppe von Polizisten in Zivil am Tag seiner Verhaftung zu ihm nach Hause gekommen sei, ihn ausgezogen und dann bewusstlos geschlagen habe. Während dieser Haftzeit schlug man ihn, quälte ihn wiederholt an den Genitalien mit Elektroschocks. Man hielt brennende Zigaretten stundenlang so nah vor seine Augen, dass er dadurch mehrere Tage lang teilerblindet war. Nach seiner Freilassung beschrieben ihn Bekannte als einen seelisch und körperlich "gebrochenen Mann".

Am 5. Februar 2009 berichtete "Radio Free Asia" darüber, dass die Behörden Gao Zhisheng dazu gezwungen hatten, vor dem chinesischen Neujahrsfest, das dieses Jahr auf den 26. Januar fiel, Beijing zu verlassen und in seine Heimatstadt in Shaanxi zurückzukehren. Nach Angaben des US-Rundfunksenders "Radio Free Asia" nahmen am 4. Februar 2009 mehr als zehn Sicherheitskräfte Gao Zhisheng dort in seinem Zuhause (Xiaoshibanqiao Dorf, in Shenquan Gemeinde, Jiaxian Kreis) in der Provinz Shaanxi fest.

Auslöser seiner Verhaftung war wahrscheinlich, dass es seine Frau Geng He und den zwei Kindern gelang im Frühjahr 2009 nach Thailand zu flüchten, wo sie Asyl in den USA beantragten. Die Ehefrau des berühmten Menschenrechtsanwalts, Geng He, und ihre beiden Kinder wurden im Schnellverfahren von der US-Regierung als Flüchtlinge anerkannt und sind am 11. März in New York angekommen.
Auf einer Pressekonferenz, die am 6. April in New York stattfand, bat Geng He dringend um internationale Aufmerksamkeit für Gaos Sicherheit in China.

Ein Polizeibeamter, der nach eigenen Aussagen an Gaos Entführung am 4. Februar 2009 beteiligt gewesen war, teilte dessen älterem Bruder Zhiyi Mitte Januar 2010 mit, der Anwalt sei bei einem "Freigang" am 25. September 2009 "verschwunden". "Mit solchen Formulierungen umschreiben die chinesischen Behörden oft den gewaltsamen Tod von Häftlingen", erklärte Asienreferent Ulrich Delius von der Gesellschaft für bedrohte Völker.

Erst am 28. März 2010 sind Informationen über Gao Zhisheng bekannt geworden, aus denen hervorgeht, dass er wohl lebt und doch nicht in Haft ist. Gao auch zu westlichen Journalisten Kontakt aufgenommen. “Ich möchte für eine Weile ein ruhiges Leben führen”, sagte er in Telefongesprächen mit unterschiedlichen westlichen Nachrichtenagenturen. Nach eigenen Angaben lebe er zurzeit in der Nähe des Wutai-Berges, einer buddhistischen Gegend im Norden der Provinz Shanxi. Wie Zhisheng berichtete, sei er seit sechs Monaten auf freiem Fuß.
Zwei Tage später sind weitere Details bezüglich der Kontakte mit Gao Zhisheng bekannt geworden. Diese lassen vermuten, dass Gao Zhisheng bei diesen Telefonaten nicht frei reden konnte.

Vier Wochen nach seiner Freilassung ist Gao Zhisheng abermals spurlos verschwunden. „Wir wissen nicht, wo er ist. Wir haben keinen Kontakt“, sagten Familienangehörige in der nördlichen Provinz Shaanxi am 30. April der Nachrichtenagentur AFP. Auch ein Wegbegleiter des 44-Jährigen, der Anwalt Li Heping, sagte, er habe seit dem 20. April keinen Kontakt mehr mit dem prominenten Dissidenten gehabt.

Am 14.08.2011 war die gegen Gao Zhisheng verhängte Gefängnisstrafe (die ausgesetzt worden war) formell zu Ende.
Am 16.12.2011 meldete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua unter Berufung auf ein Gericht in Peking, dass der 47-Jährige wiederholt gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben soll. Darum musste Gao Zhisheng jetzt für mehrere Jahre ins Gefängnis. Er sitzt in einem Gefängnis im Kreis Shaya in Xinjiang.

Am 10 Januar 2012 bestätigte Amnesty International, das Gao festsitzt in der Shaya Gefängnis in der Präfektur Aksu in Xinjiang.
Am 24. März konnten Gao Zhishengs Bruder, Frau Geng und sein Vater im dort besuchen.


Amnesty International:

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Sie können auch eine Grußbotschaft direkt an Gao Zhisheng schicken. Bitte nur kurze, persönliche Botschaften ohne politischen oder religiösen Inhalt an:

Gao Zhisheng
P.O. Box 15, Sub-box 16
Shaya County 842208
Xinjiang Uighur Autonomous Region
Volksrepublik China

Informationen

werden erbeten an:      Amnesty International
                                       Gruppe 1062 Köln Ehrenfeld
                                       Domstr. 56
                                       50668 Köln

Weitere Details

finden Sie hier.

Externe Links (nicht Amnesty International)





© Amnesty International Gruppe Köln Ehrenfeld
Letzte Aktualisierung dieser Seite: 07.05.2012

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